Grundlagen · 6 Minuten
Projektauftrag nach GPM: Aufbau und Beispiel
Der Projektauftrag ist die Vereinbarung zwischen Auftraggeber und Projektleitung: Was soll erreicht werden, was gehört nicht dazu, mit welchen Mitteln und bis wann? Ohne ihn diskutiert das Team später über Erwartungen statt über Ergebnisse.
Wozu ein Projektauftrag?
Ein Projekt ist ein einmaliges Vorhaben mit Ziel, Zeitrahmen und begrenzten Mitteln. Damit alle dasselbe darunter verstehen, wird es zu Beginn schriftlich vereinbart und freigegeben.
Der Auftrag ist zugleich Maßstab: Änderungen am Umfang werden gegen ihn bewertet, und am Ende misst der Abschluss die Zielerreichung an ihm.
Die Bausteine
- Ausgangslage: Was ist heute das Problem bzw. die Chance? Warum jetzt?
- Ziele: Ergebnisziele (was am Ende vorliegt) und Vorgehensziele (wie gearbeitet wird) – messbar formuliert.
- Abgrenzung: Was ausdrücklich nicht zum Projekt gehört. Sie verhindert, dass der Umfang schleichend wächst.
- Nutzen und Wirtschaftlichkeit: Wofür lohnt sich der Aufwand?
- Rahmen: Start und Ende, wichtige Meilensteine, grobes Budget.
- Organisation: Auftraggeber, Projektleitung, Lenkungsausschuss und Kernteam.
- Risiken und Annahmen: Was muss gelten, damit der Plan aufgeht?
Ziele SMART formulieren
Ein Ziel ist SMART, wenn es spezifisch, messbar, akzeptiert, realistisch und terminiert ist. Der häufigste Fehler: Maßnahmen statt Ziele („Software einführen“ statt „Bearbeitungszeit je Antrag halbiert“).
Beispiel „Neues Kundenportal“
- Ergebnisziel
- Bis 30.06. können Kunden Status, Rechnungen und Dokumente online abrufen.
- Messgröße
- Telefonische Statusanfragen sinken um 40 % gegenüber dem Vorjahresquartal.
- Vorgehensziel
- Fachbereich testet jede Ausbaustufe, bevor sie live geht.
- Abgrenzung
- Kein Online-Bezahlen, keine App für Smartphones in diesem Projekt.
- Budget
- 180.000 € intern und extern, davon 20.000 € Reserve.
Woran Aufträge scheitern
- Zu groß gedacht: Der Auftrag beschreibt ein Programm statt eines Projekts.
- Keine Abgrenzung: Jeder Wunsch landet „noch mit drin“.
- Kein echter Auftraggeber: Niemand entscheidet, wenn es knirscht.
- Freigabe per Zuruf: Später weiß niemand, welcher Stand vereinbart war.
Auftrag und Komplexität
Nicht jedes Projekt braucht alle Bausteine in voller Tiefe. Wie ausführlich der Auftrag sein muss, hängt von der Komplexität ab – etwa von Zahl der Beteiligten, Neuartigkeit, Risiko und Budget. Dieses Zuschneiden heißt Tailoring.
Quelle: in Anlehnung an ICB 4 (Kompetenzelemente Anforderungen und Ziele, Leistungsumfang) und PM4. Eigene Darstellung, keine Zitate aus den Standards.
Tutorial dazu: Projektauftrag – so geht's